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Auch Buche ist geeignet für thermische Behandlung - Fachgruppe definiert Qualitätsparameter für Thermoholz

Berlin, 07. März 2012 - Nicht jedes „Thermoholz“ hält was es verspricht. Am 16.12.2011 wurde im Holzzentralblatt über Probleme mit Thermoholz aus Buche insbesondere in der Außenanwendung für Terrassen berichtet. Probleme kann es aber nicht nur mit der Buche geben, sondern auch mit thermisch behandelten Produkten aus anderen Holzarten. Entscheident ist nach Ansicht der Fachgruppe „Thermoholz“ im BSHD daher weniger die Holzart, sondern das Qualitätsmanagement im gesamten Produktionsablauf.

Die Fachgruppe „Thermoholz“ im Bundesverband Säge- und Holzindustrie Deutschland e.V. hat im Jahr 2011 eine Initiative zur Qualitätssicherung von Thermoholz gestartet, um Reklamationen durch falsche Erwartungen an thermisch behandelte Produkte vorzubeugen. Eine rein augenscheinliche Begutachtung der Farbe und des äußeren Erscheinungsbildes von Thermoholz reicht auf keinen Fall aus, die Qualität abschließend zu beurteilen. Denn fast alle Thermohölzer weisen eine dunkle Farbe auf. Dies bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass eine ausreichende Steigerung von Dauerhaftigkeit und Formstabilität gewährleistet ist. Nachfolgend werden die Qualitätsvoraussetzungen in Kurzform beleuchtet:

Rundholz
Die Grundlage für eine hohe Qualität des Thermoholzes wird schon mit der Auswahl des Rundholzes gelegt. Grundsätzlich darf nur hochwertiges Stammholz eingesetzt werden. Bei Buche für den Außenbereich ist eine rotkernfreie Ware zwingend, da Rotkern in der Bewitterung zu einer vermehrten Rissigkeit führen kann.

Einschnitt

Thermoholz wird in der Regel mit einem Feuchtegehalt von 4-6% ausgeliefert. Danach nimmt das Holz wieder Feuchtigkeit auf, je nach Verfahren bis zu einem Anteil von 12%, so dass die Dielen in die Breite „wachsen“. Qualitätsbewusste Hersteller bieten aus diesem Grund Hölzer mit überwiegend stehenden Jahrringen (Rift/Halbrift) an. Diese Ware ist besonders formstabil und weist ein ganzjährig exaktes Fugenbild auf.

Holztrocknung
Für die Thermobehandlung sollte getrocknetes Schnittholz aus einer optimierten Schnittholztrocknung eingesetzt werden, da sich kleinste Trocknungsfehler durch die hohe Temperatur von ca. 190 bis 210 °C im weiteren Produktionsverlauf stark auf die Thermoholzqualität auswirken können. Nur Schnitthölzer mit einer geringen und gleichmäßigen Ausgangsfeuchte sollten daher in der Thermobehandlung Verwendung finden.

Behandlungsparameter
Um hochwertiges Thermoholz zu produzieren, bedarf es entsprechender Erfahrung und Know-how in Bezug auf Temperatursteuerung, Temperaturhöhe, Behandlungsdauer, Feuchtigkeitszugabe und Haltezeiten. Die Aufheiz- und Abkühlungsphase sollte dabei langsam und schonend erfolgen, um Spannungen im Holz zu vermeiden. Die Modifizierungsphase dauert je nach Dimension einige Stunden, in denen die Temperatur konstant gehalten werden muss. In der Abkühlungsphase werden immer wieder Konditionierungsphasen eingelegt, um Feuchtigkeit in das fast darrtrockene Holz einzubringen und so mögliche Spannungen im Holz aufzuheben.

Physikalische Qualitätsgrößen & Fremdüberwachung
Qualitativ hochwertiges Thermoholz zeichnet sich durch den Nachweis von messbaren Kenngrößen wie beispielsweise Dauerhaftigkeit, Bruchschlagarbeit, Biege-E-Modul, Brinellhärte, Ausgleichsfeuchte, Quellung, Rohdichte und der maximalen Wasseraufnahme aus. Um Handelspartner und Kunden ein Maximum an Sicherheit zu geben, lassen daher qualitätsbewusste Hersteller die relevanten Werte regelmäßig durch eine unabhängige Fremdüberwachung ermitteln und prüfen. Der neu gegründete Thermoholz-Qualität e.V. wird künftig mit einem neuen Qualitätszeichen Unternehmen auszeichnen, die diesen Prozess nach definierten Vorgaben vorbildlich durchführen.

Die Fachgrupe Thermoholz im BSHD setzt die Basis für eine Qualitätssicherungsoffensive

Am 23.02.2011 gründeten 7 Thermoholz Hersteller aus Österreich und Deutschland aus der Fachgruppe Thermoholz im Bundesverband Säge- und Holzindustrie Deutschland e.V. (BSHD) den Thermoholz-Qualität e.V. Ziel des Vereins ist die Qualitätssicherung für Thermoholz mit einem Qualitätssiegel. Es sollen Standards für verschiedene Verwendungsbereiche definiert werden, um die dynamische Entwicklung des Produktes „Thermoholz“ abzusichern. „Es werden im Markt Versprechen zu Thermoholz gegenüber dem Verbraucher abgegeben, die nicht einhaltbar sind.“ so der Vorsitzende der neuen Gütegemeinschaft Rainer Buchmann, Menz Holz. „Wir müssen die Fehler aus der
Vergangenheit vermeiden, die für andere dauerhafte Holzprodukte gemacht wurden und frühzeitig für Vertrauen in das Produkt sorgen. Zentrales Thema für Thermoholz ist nach wie vor die Dauerhaftigkeit, hier wird ein hoher Vertrauensvorschuss des Verbrauchers benötigt, der nicht enttäuscht werden darf. Die Quittung würden wir erst viel später erhalten, aber mit nachhaltiger Wirkung.“, ergänzt Detlef Zemlin der stellvertretende Vorsitzende. Der Thermoholz-Qualität e.V. möchte mit verlässlichen Kriterien und einer Produktionskontrolle durch unabhängige Wissenschaftler das Vertrauen des Verbrauchers gewinnen.
Die Gründer des Thermoholz-Qualität e.V. sind:

  • Firstwood GmbH
  • Herbert Hagensieker Sägewerk GmbH
  • Holz Schiller GmbH
  • Holzbodenwerk Krottenthaler GmbH & Co.KG
  • Menz Holz GmbH & Co. KG
  • Thermoholz Austria GmbH (Mirako)
  • Timura Holzmanufaktur GmbH

    Zum Vorsitzenden der Gütegemeinschaft wurde Rainer Buchmann, Menz Holz, zu seinem Stellvertreter Detlef Zemlin, Firstwood, gewählt, als Geschäftsführer wurde Klaus Kottwitz, BSHD Regionalleiter, bestimmt, die Geschäftsstelle befindet sich in den Räumen des BSHD in der Reinhardtstr. 18 in Berlin.

    Gewählt wurde auch der Qualitätsausschuss, der sich aus drei unabhängigen Personen, dem Vorsitzenden und dem stellvertretenden Vorsitzenden des Vereins zusammensetzen. Als Obmann wurde Klaus Kottwitz bestimmt, als unabhängige Beisitzer wurden Dr. Wolfram Scheiding, Institut für Holztechnologie Dresden und Dr. Christian
    Welzbacher , Leibniz Universität Hannover von der Mitgliederversammlung gewählt. Der Qualitätsausschuss soll die Prüfungen in den Unternehmen beurteilen und über die Erteilung des Qualitätssiegels beschließen, stimmberechtigt sind nur die unabhängigen Mitglieder des Gremiums, der Vorsitzende und der Stellvertreter haben moderierende
    Funktion.
    Grundlage für die Qualitätssicherung ist ein Kriterienkatalog und die sogenannten „zehn Gebote für Thermoholz“ die vom Institut für Holztechnologie Dresden und Leibniz Universität Hannover in Kooperation und im Auftrag der Thermoholz Hersteller im letztes Jahr entwickelt wurden. Die zehn Gebote für die Erteilung des Qualitätssiegels
    Thermoholz lauten:

    1. Das Qualitätssiegel bezieht sich auf Thermoholz (thermisch modifiziertes Holz), das allein durch Einwirkung von Wärme bei Temperaturen zwischen 160 °C und 230 °C bei reduziertem Sauerstoffgehalt mit verschiedenen Verfahren hergestellt wird.
    2. Das Holz stammt aus nachhaltig bewirtschafteten, überwiegend europäischen Wäldern oder aus zertifizierten Forstbetrieben?
    3. Die wichtigsten Eigenschaften von mit dem Qualitätssiegel zertifiziertem Thermoholz werden durch unabhängige Dritte nach gültigen Prüfnormen unter Berücksichtigung normativer bzw. gesetzlicher Anforderungen ermittelt.
    4. Mit dem Gütesiegel zertifiziertes Thermoholz erfüllt alle bestehenden normativen bzw. gesetzlichen Anforderungen.
    5. Die Deklaration der wichtigsten Eigenschaften, die typischen Verwendungsbereichen zugeordnet sind, erfolgt durch technische Datenblätter, die frei zugänglich sind. Jede Lieferung ist mit einem Etikett gekennzeichnet, das
      Informationen zu Hersteller, Holzart, Behandlungsstufe, Charge sowie Verwendungsbereichen enthält.
    6. Die gleichbleibende Qualität der Produkte mit dem Qualitätssiegel „Thermoholz“ wird durch eine werkseigene Produktionskontrolle (WPK) sichergestellt, die regelmäßig durch unabhängige Dritte überwacht wird. Die Regelungen zur WPK sind in einem Qualitätshandbuch festgelegt.
    7. Die Rückverfolgbarkeit wird durch die Kennzeichnung der Lieferungen mit einem Etikett und die interne Dokumentation beim Hersteller gewährleistet.
    8. Die Produktionsanlagen erfüllen alle rechtlichen und technischen Anforderungen, insbesondere hinsichtlich des Arbeits- und Umweltschutzes.
    9. Die Zertifizierung mit dem Qualitätssiegel “Thermoholz” erfolgt durch einen Qualitätsausschuss, dessen Mehrheit durch unabhängige Dritte gebildet wird.
    10. Die jährliche Fremdüberwachung (Einhaltung der Qualitätskriterien) erfolgt durch zwei unabhängige Prüfstellen.

    Als nächstes wird die Gütegemeinschaft ein Qualitätssiegel festlegen und das notwendige Satzungswerk verabschieden, insbesondere die Qualitätskriterien und Vergaberichtlinien. Ende 2011 sollen die ersten Qualitätssiegel Thermoholz vergeben werden. Das ist ein anspruchsvoller Zeitplan, der bisherige Werdegang des Projektes zeigt allerdings die
    Einigkeit und Entschlossenheit der beteiligten Hersteller. Erst vor einem Jahr wurde am 04.02.2010 in Hannover die Fachgruppe Thermoholz im BSHD gegründet, die die Keimzelle für das Qualitätssicherungsprojekt darstellt.