Bei der Spanplattenherstellung werden unterschiedlich große beleimte Späne und/oder andere holzartige Faserstoffe zu plattenförmigen Werkstoffen verpreßt. Da der massive Holzverbund aufgehoben ist, haben diese Platten in Richtung der Plattenebene, also Länge und Breite der Platte, nahezu die gleichen Quell- und Schwindeigenschaften, allerdings auch wesentlich geringere Festigkeiten als Vollholz.
a. Aufbau
Weit überwiegend werden Spanplatten als Flachpressplatten (siehe Herstellungsverfahren) in Form von Mehrschichtplatten hergestellt. Sie bestehen zumeist aus drei bis fünf Schichten. Bei Dreischichtplatten wird die aus gröberen Spänen bestehende Mittelschicht durch feiner strukturierte Deckschichten beplankt. Fünfschichtplatten verfugen über zusätzliche Ausgleichsschichten, die sich zwischen Mittelschicht und Deckschichten befinden. Je nach Streuverfahren der Späne bei der Herstellung können Platten mit kontinuierlichem Übergang in der Spanstruktur hergestellt werden.
Die äußeren Schichten bestehen fast immer aus relativ feinem Spanmaterial, damit sich bei nachfolgenden dekorativen Beschichtungen die Spanstruktur nicht abzeichnet; dies gilt insbesondere für den Möbelbau. Die Oberflächenbeschaffenheit der Flachpreßplatten ist in DIN-Normen definiert. Die FPY-Platte für allgemeine Zwecke, z.B. für den Möbel-, Tonmöbel, Geräte- und Behälterbau, stellt an die Oberflächenbeschaffenheit geringere Anforderungen als die FPO-Platte. FPO-Platten sind Platten mit definierten kleineren Spangrößen auf der Oberfläche; die feinspanigere Oberfläche eignet sich eher für Direktlackierung, Folienbeschichtung oder Pressbeschichtung. Bauspanplatten hingegen enthalten oft flächigere Späne in den Deckschichten, wodurch die Festigkeiten der Platte verbessert werden.
b. Herstellung
Im Flachpressverfahren werden die mit Bindemittel benetzten Späne durch Streumaschinen zu Spänekuchen aufgestreut und anschließend in beheizten hydraulischen Pressen zu Spanplatten verpresst. Als Bindemittel werden die in Kapitel 8.1 beschriebenen Leime verwendet. Zur Herstellung von Zementspanplatten werden Portlandzement oder Magnesiazement verwendet. Diese Platten genügen höheren Anforderungen hinsichtlich ihres Brandverhaltens.
Während des Herstellungsprozesses können Pilzschutzmittel und Feuerschutzmittel für spezielle Plattenanforderungen beigemischt werden. V 100G Platten für das Bauwesen sind mit einem Holzschutzmittel gegen holzzerstörende Pilze geschützt.
V 20, V 100 und V 100G Platten müssen den Anforderungen der Norm voll entsprechen. Das “Merkblatt Spanplatten” gibt ebenfalls Auskunft über das Brandverhalten verschiedener Plattentypen. Nach der Herstellung können die Platten mit Furnieren, Kunststoffen, Folien oder Lacken beschichtet werden.
Anwendungsorentierte Spezialplatten, wie Fußbodenverlegeplatten (i.R. V 100 verleimt) und Bekleidungsplatten (i.R. V 20 verleimt) sind mit angefräßtem Nut- und Federprofil versehen. Über den Einsatz von Spanplatten für Fußboden-Unterböden informiert das “Merkblatt Spanplatten”.
c. Verwendung
Spanplatten haben eine breite Palette von Verwendungsmöglichkeiten mit Schwerpunkten im Möbelbau, Innenausbau und Bauwesen.
Im Rohbau wird es für Innenwände, Außenwände, Decken, Außenbekleidung, Dachschalungen und im landwirtschaftlichen Stallbau eingesetzt.
Im Ausbau werden sie für Trennwände, Wand- und Deckenbekleidungen (Paneele), Fußboden-Unterböden, Dachausbauten, Einbauschränke und Regale benutzt.
Im Möbelbau werden sie für Wohnmöbel, Küchenmöbel, Labormöbel und Büromöbel eingesetzt. Im Behälter- und Verkehrmittelbau werden sie für Verpackungen, im Silo-, Waggon-, Container- und Schiffbau eingesetzt.
Sonstige Anwendungsbereiche sind Sportböden, Schilder- und Reklametafeln, Tonmöbel (Musikinstrumentebau) und Modellbau. In vielen Venvendungsbereichen kann die Spanplatte gleichermaßen wie Sperrholz eingesetzt werden und ersetzt dieses aus Kostengründen. Dort jedoch, wo hohe Anforderungen an die Festigkeit und Formstabilität des Werkstoffs gestellt werden, ist Sperrholz klar im Vorteil.
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