Archiv für Dezember 2011

Deutsche Rundholzpreise auch in 2011 auf weltweitem Rekordniveau

Trendwende beim Nadelrundholz zeichnet sich ab

Berlin, 20.12.11 – Das ausgehenden Jahr setzte den Trend weiter fort: Deutschlands Rundholzpreisniveau lag auf internationalem Rekordniveau und nahm damit der deutschen Sägeindustrie die Konkurrenzfähigkeit auf den zunehmend globalen Schnittholzmärkten. Doch jetzt zeichnet sich bei den Nadelrundholzpreisen eine Trendwende ab.

Der Bundesverband der Säge- und Holzindustrie Deutschland e.V. (BSHD) hat zum Jahresende die Rundholzpreisentwicklung analysiert. „Schon im Jahr 2010 hatten wir über alle Holzarten und Sortimente im internationalen Vergleich in Deutschland die absolut und historisch betrachtet höchsten Rundholzpreise“, fasst Dr. Klaus Böltz, Präsident des BSHD, die Zahlen zusammen. „Aber während der Rundholzpreis insbesondere in unseren europäischen Nachbarländern, also in den Rohstoffmärkten unsere Mitbewerber um den globalen Schnittholzmarkt, in 2011 sank, zog der Preis in Deutschland nochmals an. Im Ergebnis passen die heimischen Rundholzpreise nicht mehr zu den internationalen Schnittholzpreisen. Und das geht nicht nur zu Lasten der Ertragslage der Betriebe, sondern schwächt die Konkurrenzfähigkeit deutscher Schnittholzprodukte insgesamt.“

Der Ländervergleich des BSHD zeigt eindrücklich, wie groß die Diskrepanz bei den Fichterundholzpreisen ist: Das mit Abstand niedrigste Preisniveau wiesen Russland und Kanada auf. Während sich die Fichte im Leitsortiment der Stärkeklasse 2 b beispielsweise in den skandinavischen und baltischen Ländern in einem Preisrahmen von 50 - 60€ bewegte, lag der Preis in der D-A-CH-Region jenseits von 90€ je fm. Dabei belegte Deutschland im Ländervergleich mit deutlichem Abstand den Spitzenplatz. „Mit dem Schnittholz aus diesen Ländern konkurrieren wir aber nicht nur auf unseren angestammten Exportmärkten. Diese Lieferanten machen uns auch auf dem Binnenmarkt zu schaffen“, so Böltz weiter. Doch selbst Unternehmen in Ländern mit vergleichsweise niedrigem Rundholzpreisniveau meldeten aufgrund der nach wie vor schlechten Baukonjunktur in Folge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise schlechte Ertragslagen. Was allerdings der Sägeindustrie im Ausland bislang nur Kopfzerbrechen bereitet, bringt die deutsche Sägeindustrie mittlerweile in einen zunehmend bedrohlichen Zustand. Zahlreiche Betriebe kämpfen mittlerweile um die Existenz.

Doch nun zeichne sich zum Jahresende eine Trendumkehr ab. In den letzten Wochen wurden laut BSHD nicht nur in der deutschen Sägeindustrie erhebliche Kapazitätsanpassungen vorgenommen, um über die Weihnachtsfeiertage hinaus im kommenden Jahr den Druck auf den Rund- und Schnittholzmärkten zu reduzieren. Mittlerweile berichten die ersten Betriebe auch über nachgebende Rundholzpreise: „Die Preisanpassungen reichen jedoch bei Weitem noch nicht aus, um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Sägeindustrie zurückzugewinnen“, so Klaus Böltz abschließend mit Ausblick auf das erste Quartal im neuen Jahr. Vor diesem Hintergrund haben einige Unternehmen bereits angekündigt, auf dem aktuellen Niveau bis auf weiteres keine neuen Abschlüsse einzugehen, um die Rohertragskrise nicht noch weiter zu verschärfen.

Viele Waldbesitzer hätten jedoch inzwischen erkannt, dass auch ein abgesenktes Rundholzpreisniveau noch attraktiv genug ist, um in den Einschlag zu gehen. Nachhaltiges forstliches Handeln dürfe nicht an der Waldstraße enden, sondern müsse auch die Geschäftsbeziehungen zu der Kundengruppe umfassen, mit der die größten Umsätze generiert würden.